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Helmstedter Uni-Kino

In Anlehnung an das diesjährige Thema der 25. Helmstedter Universitätstage „Auf dem Weg nach Weimar? Demokratie und Krise“ werden insgesamt vier Kinofilme gezeigt, die diese Thematik beleuchten.

 

Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.


Wir können auch anders

Spielzeiten

Mittwoch

12.06.

18.00 Uhr

DE 1993 Komödie von Detlev Buck Dauer: 87 Minuten,
Hauptdarsteller Joachim Król und Horst Krause

Inhalt:

Der Film zeigt in satirisch zugespitzter Form die Umbruchsituation in Ostdeutschland nach der Wende 1989. Die Brüder Kipp und Moss sind nicht besonders helle, aber gutmütig: redselig und altklug, der eine hemdsärmelig und knurrig der andere. Sie wollen in den Osten, wo sie von der Oma einen Gutshof geerbt haben. So machen sie sich mit einem klapprigen Lastwagen auf den Weg, wobei es sich als hinderlich erweist, dass sie nicht Lesen können. Ein entflohener Rotarmist, der nur Russisch spricht, überredet sie mit einer Kalaschnikow, ihn ein Stück mitzunehmen. Und bald hinterlassen sie unfreiwillig eine Spur des Verbrechen und werden verfolgt von einer Armee von Polizisten. Unterwegs nehmen sie die Bedienung einer Dorfkneipe als Geisel, eine rothaarig Schöne im kurzen Rock, die sie damit der Langeweile entreißen. Und damit ist ihre Odyssee noch lange nicht zu Ende.

Nach dem Film erfolgt eine Diskussion mit dem Publikum sowie Herrn Prof. Dr. Matthias Steinbach und Herrn Dr. Michael Ploenus, beide von der TU Braunschweig/Historisches Seminar, Abteilung Didaktik.


Affaire Blum

Spielzeiten

Mittwoch

03.07.

18.00 Uhr

 

DEFA-Film aus dem Jahr 1948 von Erich Engel. Klassiker über Antisemitismus in der Weimarer Republik. Dauer: 109 Minuten

Inhalt:

Der Film greift einen Justizskandal aus den Jahren 1925/26 in Magdeburg auf, der seinerzeit großes Aufsehen erregte, später jedoch totgeschwiegen wurde, da es sich um einen offensichtlichen Missbrauch der Richterschaft für politische Zwecke handelte. Nach 1933 wurden auch sämtliche Aktenstücke und Dokumente über diesen Prozess vernichtet.Der Film beginnt mit der Ermordung des Buchhalters Platzer durch Karl-Heinz Gabler, einem arbeitslosen ehemaligen Freikorpsmann. Dieser wird kurze Zeit später bei dem Versuch, mit einem Scheck Platzers in einem Waffengeschäft zu zahlen, von Kriminalkommissar Schwerdtfeger verhaftet. Der Polizeibeamte behandelt Gabler aufgrund seiner Freikorpsvergangenheit - auch Schwerdtfeger war Freikorpsmann - bevorzugt. Gabler macht sich den vorhandenen Verdacht Schwerdtfegers, dass das Verschwinden Platzers mit angeblichen Steuerhinterziehungen in der Firma des Juden Dr. Blum in Zusammenhang steht, zunutze und belastet diesen. Blum wird verhaftet und im Gegensatz zu Gabler wie ein Schwerverbrecher behandelt. Schwerdtfeger und Landgerichtsrat Konrad, der die Untersuchung führt, glauben den Ausführungen Gablers nur allzu gern. Landgerichtsdirektor Hecht unterstützt sie in ihrem Vorgehen gegen Blum. Präsident Wilschinsky, der (abweichend vom historischen Fall) mit Blum befreundet ist, fordert aus Berlin einen unabhängigen Kriminalbeamten an. Kommissar Bonte wird nach Magdeburg geschickt, aber Konrad lehnt dessen Mitarbeit am Fall Blum grundsätzlich ab. Bonte führt die Ermittlungen auf eigene Faust weiter, findet die Leiche Platzers in Gablers Keller und überführt Gabler schließlich des Mordes. Hecht versucht sich von dem „Irrtum" Konrads zu distanzieren. Blum wird freigelassen und kann nach Hause zurückkehren.

Nach dem Film folgt eine Diskussion. Der Filmkritiker Dr. Claus Löser steht dem Publikum gemeinsam mit dem Rechtshistoriker Prof. Dr. Stephan Meder zur Verfügung. Moderator: Dr. Kai Langer, Direktor der Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt


Alles andere zeigt die Zeit

Spielzeiten

Mittwoch

07.08.

18.00 Uhr

Dokumentarfilm von Andreas Voigt aus dem Jahr 2015

 

Inhalt:

Etliche Filme hat der bei der DEFA ausgebildete Dokumentarfilmer Andreas Voigt vor und nach der Wende in Leipzig gedreht und so die Veränderungen der Stadt und ihrer sozialen Milieus dokumentiert. Einige seiner Protagonisten hat er dabei über 25 Jahre hinweg auf ihren Lebenswegen begleitet: Isabel, einst Punkmädchen in Leipzig und heute Insolvenzverwalterin in Schwaben, Sven, der sich meist arbeitslos durchs Leben schlägt, und Jenny, die sich noch immer mit der Tätigkeit ihrer Mutter bei der Stasi beschäftigt. Alle drei sind heute um die 40 und ihre Lebenszeit in der Bundesrepublik ist inzwischen länger als die, die sie in der DDR verbracht haben. Mit dem wiederverwendeten Material aus den älteren Filmen seiner "Leipzig-Reihe" ("Letztes Jahr Titanic", 1990; "Glaube, Liebe Hoffnung", 1993, und "Große weite Welt", 1997) und den aktuellen Porträts seiner Protagonisten ist "Alles andere zeigt die Zeit" eine Art Summe der Arbeiten von Andreas Voigt. Die drei individuellen Lebenswege, die er begleitet, zeigen dabei exemplarisch unterschiedliche Auswirkungen des gesellschaftlichen Umbruchs im Ostdeutschland der Nachwendezeit: Strukturwandel und Arbeitslosigkeit, Abwanderung und sozialer Aufstieg im Westen, die Schatten der Diktatur auf die Bundesrepublik nach der Einheit. Die detaillierte Langzeitbeobachtung verschiedener Lebensentwürfe und Schicksalsschläge macht den politischen und sozioökonomischen Wandel nach der Einheit auf anschauliche Art sichtbar.

Nach dem Film folgt eine Diskussion mit dem Publikum und dem Regisseur Andreas Voigt. Moderation: Dr. Michael Strohmann von der Braunschweiger Zeitung


Gundermann

Spielzeiten

Mittwoch

26.09.

19.30 Uhr

Biographischer Film und zugleich Musikfilm von Andreas Dresen aus dem Jahr 2018 über den Liedermacher Gerhard Gundermann.

 

Inhalt:

Der Film zeigt ausgewählte Episoden aus dem Leben des Liedermachers und Baggerfahrers, u.a. das Bekanntwerden von Gundermanns Tätigkeit als Inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit. Davon ausgehend wird in Rückblenden gezeigt, wie er sich in der DDR politisch einbrachte und wie er mit seiner Frau Conny zusammenfand. Er gewinnt Inspirationen für seine Lieder und Songs, während er auf dem Bagger sitzt und Braunkohle abbaut. Sein Leben und seine Umwelt sind geprägt von Widersprüchen: Seine Arbeit reißt die Erde auf, gleichzeitig beschreibt und besingt er die Schönheiten der Natur. Als überzeugter Kommunist stößt er mit seiner Direktheit und Eigenwilligkeit an Grenzen. Durch seine Tätigkeit für die Staatssicherheit hofft er, Verbesserungen im Arbeitsschutz und bei den Arbeitsbedingungen erreichen zu können, und merkt erst nach der Wende, wie sehr er damit anderen Menschen hätte schaden können. Er erfährt zugleich, dass er auch selbst von Freunden für die Staatssicherheit beobachtet wurde. Sein Vater brach den Kontakt zu ihm ab, weil er seinen Sohn für die eigenen Verfehlungen verantwortlich machte. Als Gundermann selbst Vater wird, fällt es seiner Frau schwer zu akzeptieren, dass er weiterhin so viel Zeit in seine Musik und seine Arbeit investiert. „Biografischer Film über das kurze und intensive Leben des Baggerfahrers und Liedermachers Gerhard ‚Gundi‘ Gundermann (1955–1998), der in seiner filmisch-musikalischen Form die charakterliche Komplexität des Künstlers ebenso vermittelt wie die Widersprüchlichkeit des Lebens in der DDR. Die achronologische, mitunter auch assoziative Dramaturgie will über den eigensinnigen Freigeist nicht urteilen, sondern sich von seiner inneren Zerrissenheit berühren lassen. Eine aus Alltagsbeobachtungen entwickelte, in der Hauptrolle kongenial interpretierte Annäherung an einen vielschichtigen Menschen in einem untergegangenen Land.“

Nach dem Film folgt eine Diskussion mit dem Publikum. Der wissenschaftliche Leiter der Helmstedter Universitätstage Prof. Dr. Martin Sabrow steht dem Publikum gemeinsam mit dem Regisseur Andreas Dresen (angefragt) zur Verfügung.